Sebastian Hofmann – 56 Monate
Kategorie: Zeiträume
Zeiträume
Karyna Herrera – 7 Minuten
EN
Katia, Kateryna Vysoka and I worked together for three days, talking and reflecting on war and flight. Together we developed a creative approach that allowed us to get to the bottom of the situation and tell people the stories and fates of the artists with an artistic language.
The results of an intensive and very touching collaboration with the two artists, who had to leave their home because of the war, are documented here.
DE
Katia, Kateryna Vysoka und ich haben drei Tage zusammengearbeitet, über den Krieg und die Flucht gesprochen und nachgedacht. Gemeinsam entwickelten wir einen kreativen Ansatz, der es uns ermöglichte, der Situation auf den Grund zu gehen und den Menschen mit einer künstlerischen Sprache die Geschichten und Schicksale der Künstler*innen zu erzählen. Dokumentiert werden hier die Ergebnisse einer intensiven und sehr berührenden Zusammenarbeit mit den beiden Künstler*innen, die aufgrund des Krieges ihre Heimat verlassen mussten.
UKR
Катя, Катерина Висока і я працювали разом три дні, розмовляли і розмірковували про війну і втечу. Разом ми виробили креативний підхід, який дозволив нам докопатися до суті ситуації та розповісти людям історії та долі митців художньою мовою.
Тут задокументовано результати інтенсивної та дуже зворушливої співпраці з двома митцями, які змушені були залишити батьківщину через війну.
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Katia speaks about her experience as the war started in Ukraine
Katia berichtet über ihre Erfahrungen als der Krieg in der Ukraine begann.
Катя розповідає про свій досвід, коли в Україні почалася війна.

expression pictures/Ausdrückbilder/виразні картинки





- Kateryna Vysoka
Kateryna Vysoka speaks about her experience as the war started in Ukraine.
Kateryna Vysoka berichtet über ihre Erfahrungen als der Krieg in der Ukraine begann.
Катерина Високa розповідає про свій досвід, коли в Україні почалася війна.

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Karyna Herrera – 14 Tage
In cooperation with Katia and Kateryna Vysoka/
In in Kooperation mit Katia und Kateryna Vysoka/
Y співпраці з Katia та Kateryna Vysoka
- Katia

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- Kateryna Vysoka

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Karyna Herrera – 28 Wochen
In cooperation with Katia and Kateryna Vysoka/
In in Kooperation mit Katia und Kateryna Vysoka/
Y співпраці з Katia та Kateryna Vysoka
- Katia


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- Kateryna Vysoka


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Karyna Herrera – 56 Wochen
In cooperation with Katia and Kateryna Vysoka
In in Kooperation mit Katia und Kateryna Vysoka
Y співпраці з Katia та Kateryna Vysoka
- Katia

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- Kateryna Vysoka

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Karyna Herrera – 56 Monate
In cooperation with Katia and Kateryna Vysoka/
In in Kooperation mit Katia und Kateryna Vysoka/
Y співпраці з Katia та Kateryna Vysoka
- Katia

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- Kateryna Vysoka

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Die ersten Bomben fallen, die Fenster werden mit Klebeband abgeklebt um Verletzungen durch Glassplitter zu vermeiden. Stress, Unsicherheit, Angst – die Menschen versuchen im Chaos zu fliehen.
Es ist eine kalte Nacht an der Grenze zu Polen. Die Menschen stehen dicht gedrängt und warten. Zwischen Erleichterung über die geglückte Flucht und Entsetzen über den Krieg versuchen sie diese Nacht für die Kinder unbeschwert zu machen.
Der Krieg hält an, die Truppen marschieren. Schreckliche Kriegsverbrechen trüben die Gedanken und überdecken die Lichtblicke, die in der Schweiz erlebt werden.
Das Leben hat wieder einen geregelten Ablauf, die Kinder werden in den Schlaf gesungen. Aber diese Schlaflieder sind getrübt, der Krieg allgegenwärtig: der Glaube an den Pazifismus ist verloren gegangen, nur Waffen können gegen Waffen antreten.
Zukunftsvision: die Ukrainer*innen sind zurückgekehrt. Mitgebracht haben sie viele neue Erfahrungen und Erlebnisse, die das ukrainische Volk reicher machen. Mit diesen neuen Eindrücken wird die Ukraine wieder aufgebaut: Ideen finden Platz, wachsen, unterstützen und verändern sich und lassen das Land aufblühen.
Fragebogen
Leute fragen mich: Bist du aufgewacht von den Sirenen, als der Krieg anfing? Bist du aufgewacht vom Nachbar, der fluchte? Bist du aufgewacht von deiner Freundin, die anrief? Bist du aufgewacht von Päng, Päng, Boom, Boom? Bist du aufgewacht von Newsapp Sondermeldung? Bist du aufgewacht von Beton und Glas, die dir um die Ohren flogen? Oder musstest du deine Eltern wecken und ihnen sagen: P**** dieses Schwein, was für ein verdammter Idiot – wacht auf, schnell, der Krieg hat vor 7 Minuten begonnen.
Jetzt
Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt, endlich nach Paris zu gehen. In die Ferne und Kunst machen. Mutter sagt: Geh, hier hast du keine Zukunft. Jetzt packe ich den Notfallkoffer, wir haben Verwandte in Polen. Was wird von meinem Land übrig bleiben? Eine Farbe? Ein dunkles Schwarz mit schwerem Blau gemischt?
Betondecke
Grossmutter weckt mich, ich wecke meine Eltern: Wacht auf, der Krieg ist da. Wie lange brauchen die Bomber bis sie über unserem Dorf sind? Wie sehr schmerzt es, wenn mir die Betondecke auf den Kopf fällt? Liege ich dann noch da, unter den Trümmern? Wie lange?
Wifi
Das Wichtigste bei Kriegsbeginn ist die Internetverbindung. Aber ich will nicht auf den Handybildschirm schauen. Ich will nicht wissen, welche Städte bombardiert wurden und welche als nächstes dran sind. Ich will nicht wissen, ob Strassen und Tankstellen zerbombt wurden und ob man vielleicht gar nicht mehr wegkommt. Ich will nicht wissen, ob es jemanden von meinen Freunden oder Verwandten getroffen hat. Oder wie lange der Krieg jetzt schon dauert.
Sagal Maj Comafai – 14 Tage
Sechs Mal umsteigen bis nach Aarau
Nehmen Sie als erstes den Bus Linie 5 von Odessa nach Palanca, Moldau. Dort steigen Sie auf den Sonderbus S1 nach Chișinău um. Aufgrund erhöhter Flüchtlingsströme müssen Sie mit einer Verspätung von mehreren Tagen rechnen. Wählen Sie in Chișinău die gewünschte Busverbindung nach Europa (Hinweis: Der nächste freie Bus fährt nach Bukarest, Rumänien). Beeilen Sie sich: Ihre Anschlussverbindung Bukarest – Wien wartet auf Sie. Mit dem Zug kommen Sie anschliessend nach Zürich HB, auf Gleis 32 fährt dort der IC5 nach Aarau. Ausnahmsweise ist die Mitnahme von jeglichen Haustieren erlaubt.
Meditation
Mutter sagt, ich solle meditieren, um den Krieg zu beenden. Die Leute haben vollständig den Verstand verloren, das Einzige was jetzt noch helfen könnte, sind Mantras. Vielleicht hält das die Russen davon ab, in unser Dorf einzumarschieren. Ich meditiere eine ganze Stunde, Mutter flüstert Gebete.
Papagei
Als ich mit meiner Mutter und kleinen Schwester nach Polen gehe, gebe ich Grossmutter meinen Papagei. Nach zwei Wochen stirbt er. Er konnte auch sprechen.
Umschulung
Irgendwann las ich in der Zeitung: Fachkräftemangel in der Schweiz. 14 Tage nach Kriegsausbruch bin ich in Aarau, um Filme zu drehen. Das Amt meinte: Fachkräftemangel, nicht Flüchtlingsmangel, verstehen Sie? Aber Umschulung ist kein Problem. UM-SCHU-LUNG. Verstehen? Dort waren Sie: Drehbuchautor und Regisseur. Hier: Flüchtling. Status S. Umschulung kein Problem.
Karma
Ich spreche kein Russisch mehr, auf Ukrainisch kann man auch gut fluchen. Damit habe ich aber aufgehört: Das ist schlecht fürs Karma.
Crash Cours Menschlichkeit
Als wir durch Ungarn fahren, hält der Zug immer wieder und es kommen Menschen rein. Sie rufen: „Ukraine, Ukraine!“ und verteilen Essen, Trinken und Spielzeug für die Kinder. In der Schweiz komme ich erst in einem Bombenschutzraum unter, später bei einer Familie. Wir feiern gemeinsam Feste und ich lerne allmählich die Schweizer Kultur kennen.
Wasserqualität: Sehr gut
Ich vermisse kein Gericht aus der Heimat, kein Bier, keine Gewürze, Düfte, die nervende Nachbarskatze, die alte Nachbarin schon gar nicht, die Kirche nicht, meine religiöse Grossmutter nicht, das dreckige Hahnenwasser, hier ist das Leitungswasser richtig gut, was soll ich hier in der Schweiz in den Türkenladen ukrainisches Bier kaufen, was reden Sie da für einen Unsinn, ich trinke Schweizer Bier, das ist super, mein Sohn und meine Frau sind noch in Odessa, was ich vermisse ist der gute Fisch, frisch aus dem Meer.
Küsse wie Haselnüsse
Ich habe schon immer mit heissen Küssen gegeizt, war richtig sparsam. Stattdessen habe ich meine Lippen so geformt: Sehen Sie, so. Als würde ich mit meinen Lippen eine kleine Haselnuss halten. So habe ich immer geküsst, ich weiss nicht wieso. In diesen 28 Wochen in der Schweiz habe ich nicht weniger geküsst, aber auch nicht mehr.
Geografie
Ich wäre gerne in Polen und der Ukraine gleichzeitig. In Polen werden wir nicht bombardiert, in der Ukraine verstehen wir dafür die Sprache. Es gibt diese Geschichte: Ein Schüler meditiert, bis sich ein Ameisenhügel um ihn gebildet hat. Er fragt seinen Lehrer: Wie lange muss ich noch meditieren, bis ich zum Buddha werde? Der Lehrer meint: Für jedes Blatt im Wald musst du ein Leben lang meditieren. Der Schüler antwortet erfreut: Was, nur? Und er steigt diesen Moment ins Nirvana. Wo wäre ich jetzt, hätte ich 28 Wochen lang meditiert?
Apéro Riche
Ich habe mir drei Kochbücher gekauft und koche in 28 Wochen 28 Gerichte: Capuns, Maluns, Suure Mocke, Älplermagrone, Birchermüesli, Raclette, Fondue, Spätzli, Nudle mit Butter und Aromat, Ei mit Aromat, Apéro Riche, Lauch-Späck-Weihe, Nussturte, Öpfelchueche, Fleisch i bruuner Sose, Herdöfpelsalat, Speck-Zopf, Nudelsalat, Cervelat, Gschwellti, Chalbsragout, Rindsschnitzel mit Pfeffrrahmsose, Hack-Roulade, Zibelechueche, Bratwurst mit Zwiblesosse, Vorässe, Fleischvogel, Riz Casimir.
Identität
Ich werde gefragt, wie viel Prozent ich mich als Ukrainer fühle. 100%? 80%? 70, 10%? Hat sich daran etwas geändert, 1 Jahr nach dem Krieg? Keine Ahnung. Ich mag amerikanisches Kino, japanische Musik, Schweizer Bier und ukrainische Küche. Doppelbürgerschaft gibt es doch in der Schweiz? Ich brauche Vierfachbürgerschaft oder noch besser: Vielfachbürgerschaft.
Fondue
Mein Lieblingsgericht 1 Jahr nach dem Krieg: Fondue. Das macht so richtig satt. Man spürt das Gericht im Magen. Der Käse ist im Körper physisch anwesend. Noch besser ist Fondue mit Fleisch. Das Fleisch liegt im Magen wie ein müder Hund, dem man zufrieden mit der Hand über den Kopf streicht.
Paris
Grossmutter ist jetzt in Paris, liest täglich Zeitung und ist wütend.
Crêpes Gourmandes
Ich habe nach 1 Jahr in der Schweiz gelernt: Es ist nicht so wichtig, was man isst. Viel wichtiger ist es, mit wem man isst. Oder vielleicht ist mir das einfach nochmals klar geworden. Auch, dass das Essen hier doch abwechslungsreicher ist, als gedacht. Die italienischen und französischen Einflüsse habe ich anfangs versucht auszuklammern. In Lausanne gibt es zum Beispiel die besten Crêpes Gourmandes und die Menschen dort sind auch nett.
Heimat
Meine Freunde suche ich mir inzwischen nicht mehr selbst aus: Ich lebe im Flüchtlingslager. Über Kunst kann ich mich hier mit niemandem austauschen, aber der Koch ist nett. Eines Abends kocht er mit viel Liebe den Borschtsch meiner Grossmutter, den ich so sehr vermisst habe. Mit roter Beete, Kabis, Kartoffeln, Rindfleisch und Karotten.
Prognose
Eines Tages: Der Kriegt hört einfach auf. Ein paar Kilometer hier und da lässt sich diskutieren, solange kein Moskauer Königreich bis Gott weiss wo. Der Krieg ist vorbei. Keine Menschen mehr, die sterben. Infrastruktur lässt sich wieder neu bauen. Besser als vorher. Neue Technologien. Die toten Menschen bleiben tot. Der wirtschaftliche Schaden ist halt wirtschaftlicher Schaden, tote Menschen sind tote Menschen. Aber es hört auf, einfach so. 56 Monate nach Kriegsbeginn.
High Tech
Veganes Essen und diese elektronischen Staubsauger, die selbstständig alles aufräumen: 56 Monate nach Kriegsbeginn haben wir die vielleicht auch in der Ukraine. Ich bin jedenfalls in Lausanne oder Genf, habe eine Schalplattensammlung, afrikanische Kunst und ganz viel Bücher.
Multilingual
56 Monate nach Kriegsbeginn erhalte ich einen Brief vom Amt: Herzlichen Glückwunsch, Sie wurden einem Sprachkurz zugeteilt! Sie dürfen jetzt Deutsch lernen! Was das Amt aber nicht weiss: Seit letzter Woche habe ich eines dieser neuen Hörgeräte, das mit dem Internet verbunden ist und mittels ChatGPT alles live in beide Richtungen übersetzt. Seitdem gebe ich Touristenführungen. Mein Fachgebiet: Sakralbauten und Zwingli. Zum Schluss empfehle ich den chinesischen oder indischen Touristen eine gute Beiz, wo es feines Züri Geschnetzeltes oder Fondue Chinoise gibt.
Kunstprojekt
Ich bin jetzt ein Kunstprojekt: Menschen nehmen mich auf, schneiden meine Stimme zu Hörspielen. Ich habe meine menschliche Form inzwischen abgelegt: Jetzt existiere ich als Vase, die falsch rum auf dem Tisch steht. Rosa. Ich bin ein sanftes Rosa, fast wie eine Pfirsichfarbe.
Bagrat Arazyan – 7 Minuten
Bagrat Arazyan-Natalia Zhigaylo – 7 Minuten



Bagrat Arazyan – 14 Tage
Bagrat Arazyan-Natalia Zhigaylo – 14 Tage



Bagrat Arazyan – 28 Wochen
Bagrat Arazyan-Natalia Zhigaylo – 28 Wochen




Bagrat Arazyan – 56 Wochen
Bagrat Arazyan-Natalia Zhigaylo – 56 Wochen



Bagrat Arazyan – 56 Monate
Bagrat Arazyan-Natalia Zhigaylo – 56 Monate





